Bruno Fernandes: Ist die Form des Man-Utd-Kapitäns Symptom oder Ursache ihrer Krise?

13/10/2026 By user1885083718373900725

Bruno Fernandes hat in dieser Saison bislang nicht an seine herausragende Form der Vorsaison anknüpfen können. Nach sechs Premier-League-Spielen stehen für den Kapitän von Manchester United nur drei Tore und eine Vorlage zu Buche, und sein Team hat lediglich sechs Punkte gesammelt.

Erst sieben Wochen ist es her, dass Fernandes im Manchester Opera House stand und von seinem Stolz sprach, als PFA Player of the Year der Saison 2025/26 ausgezeichnet zu werden. Zuvor hatte der Portugiese bereits die Auszeichnungen als bester Spieler der Premier League und der Football Writers gewonnen, als Anerkennung für seinen maßgeblichen Anteil am unerwarteten dritten Platz seiner Mannschaft.

Fernandes erzielte neun Tore und bereitete 21 weitere vor und stellte damit einen Premier-League-Rekord ein, den bislang Thierry Henry und Kevin de Bruyne gemeinsam hielten. In den letzten elf Spielen der vergangenen Saison war er an 12 der 21 Tore beteiligt, die United erzielte. In der Siebenspiel-Serie, mit der sich United nach zwei Jahren Abwesenheit wieder für die Champions League qualifizierte, war der 31-Jährige an neun von zwölf Toren maßgeblich beteiligt.

Statistisch war das bemerkenswert und erinnerte an Eric Cantona in der titelgewinnenden Saison 1995/96, als er in sechs aufeinanderfolgenden Spielen traf, fünfmal davon bei einem einzigen Tor seiner Mannschaft.

„Es war eine besondere Saison für mich“, sagte Fernandes vor einem begeisterten Publikum. „Ich bin sehr stolz.

Aber wir spielen kein Tennis. Wir spielen nicht nur für uns selbst. Wir spielen für eine Mannschaft, für einen Verein, für die Fans. Es gibt nichts Besseres als das.“

Schwacher Saisonstart

Diese Worte haben heute besonderes Gewicht, denn im Vergleich zu den außergewöhnlichen Zahlen der Vorsaison fallen die Werte in dieser Spielzeit deutlich schwächer aus.

Fernandes stand in allen sechs Premier-League-Partien von Manchester United über die volle Spielzeit auf dem Platz. Seine drei Tore und seine eine Vorlage fielen alle im zweiten Spiel der Saison gegen Ipswich, dem bislang einzigen Sieg seines Teams. Im Vergleich zur letzten Saison steht er damit sogar besser da, als er in den ersten sechs Spielen zweimal traf und keine Torvorbereitung leistete. Damals spielte er jedoch auf der tieferen Sechserposition, die Ruben Amorim bevorzugte.

Diese Saison hat Fernandes im Schnitt 3,3 Schüsse pro Spiel abgegeben, das ist sein zweithöchster Wert. Bestwert war 3,5 in der Saison 2020/21. Bei den Schüssen aufs Tor liegt er mit durchschnittlich 0,8 dagegen auf dem zweitniedrigsten Wert. Seine Chancenkreation (durchschnittlich 2,5 pro Spiel) ist die zweitschwächste seiner Zeit in Old Trafford und liegt deutlich unter den 4,0 der vergangenen Saison.

Noch auffälliger ist, dass er bislang nur eine „große Chance“ kreiert hat: den hohen Pass, der Bryan Mbeumo am 30. August frei vor das Ipswich-Tor brachte. In der letzten Saison lag Fernandes bei durchschnittlich einer großen Chance pro Spiel.

Die Zahlen Fernandes’ und seine allgemeine Einbindung erklären vielleicht teilweise, warum United nach sechs Spielen erst sechs Punkte besitzt. Das ist der schlechteste Ligastart seit 40 Jahren, damals als Ron Atkinson entlassen wurde, um Platz für Sir Alex Ferguson zu machen.

Ursache oder Symptom?

Doch stellt sich die Frage, ob Fernandes ein Grund für die Krise von United ist oder ein Symptom davon.

Unsicher ist auch der Zustand des portugiesischen Spielmachers. Fernandes fehlt selten, wurde aber beim jüngsten Nations-League-Spiel gegen Norwegen nicht aufgestellt. Nationaltrainer Jorge Jesus sagte, der frühere Sporting-Spieler sei „mit Schmerzen unterwegs“. Für die beiden letzten Länderspiele der Pause war Fernandes jedoch wieder fit genug. Zuvor hatte er beim 4:0 gegen den aserbaidschanischen Meister Sabah FK in der Champions League die volle Spielzeit absolviert.

United-Trainer Michael Carrick sieht darin kein Problem, während er seine Mannschaft auf das Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid am Dienstag vorbereitet.

„Er hatte etwas, aber das kommt oft vor“, sagte Carrick. „Spieler spielen mit Problemen.

Es ist nicht ideal, aber es ist handhabbar. Bruno kann spielen. Das ist das Engagement, das er zeigt.

Er ist inzwischen weitgehend beschwerdefrei, war heute Morgen im Training richtig gut drauf und freut sich auf das Spiel.“

Fehlende Abstimmung im Angriff und Mittelfeld

Gegen Ende der letzten Saison, als Fernandes’ Beitrag am produktivsten war, spielte Benjamin Sesko regelmäßig als Neunter, während der erfahrene Brasilianer Casemiro als Anker im Mittelfeld von United agierte.

Von den neun Ligatoren, die Sesko 2026 erzielt hat, bereitete Fernandes vier vor. Außerdem war Fernandes an vier der letzten fünf Tore beteiligt, die Casemiro ab dem 1. Februar für Manchester United erzielte.

Abgesehen von den Toren fehlt offensichtlich auch die Präsenz von Sesko und Casemiro.

Selbst Casemiros größte Bewunderer können die aktuell schwachen Laufwerte nicht darauf zurückführen, dass der 34-Jährige im Sommer zu Inter Miami gewechselt ist. Seine Positionsspiel und sein Spielverständnis sind weiterhin auf hohem Niveau. Fernandes konnte mehr Risiko eingehen, weil er darauf vertraute, dass United bei Ballverlusten im Umschaltspiel nicht überrannt würde.

Bei Sesko erweckt sein frischer Schienbeinbruch den Eindruck, dass die fehlende Einbindung, die deutlich spürbar ist, weiterhin andauert. Ein Enddatum dafür gibt es bislang nicht.

Die Verantwortlichen des Klubs ignorierten im Sommer die Forderungen nach mehr Verstärkung im Angriff und verstärkten stattdessen Carricks Mittelfeld.

Ein Plan, Sesko in seiner anfänglichen Abwesenheit durch Mbeumo als Neunten zu ersetzen, musste jedoch verworfen werden, nachdem sich Amad Diallo kurz vor dem ersten Spiel bei Hull einen Knöchelverletzung zugezogen hatte.

Stattdessen bekam Matheus Cunha die Aufgabe, doch er ließ sich immer wieder tief fallen, genau in den Raum, den Fernandes besetzte. Ein wirksamer Umgang damit wurde von beiden nie gefunden.

Für Fernandes fühlt sich das einengend an. Er ist kein Spieler ohne Selbstvertrauen, doch scheint seine Entscheidungsfindung darunter zu leiden.

Im Spiel am Wochenende gegen Tottenham brauchte Fernandes unglaubliche 23 Minuten, um einen einzigen Pass zu spielen.

Carrick sagte am Montag mit Blick auf das Champions-League-Duell mit Atletico, dass niemand einen Platz in seiner Mannschaft „garantiert“ habe. Allerdings schränkte er dies so ein, dass deutlich wird, dass ein Verzicht auf seinen Kapitän für ihn nicht infrage kommt.

Doch United muss sich verbessern, und das bedeutet, dass Fernandes ebenfalls besser werden muss.

„Er ist ein Topspieler, Bruno“, sagte Carrick.

„Manchmal läuft es einfach nicht für dich. Manchmal hat man eine Durststrecke.

Aber er hat unglaubliche Dinge für diesen Verein getan, und er wird das auch in Zukunft tun, daran besteht kein Zweifel.“